Motorrad Reifenwechsel
Wann sich ein Reifenwechsel überhaupt lohnt
Ein Motorradreifen ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Schon kleine Schäden, ungleichmäßiger Verschleiß oder ein zu altes Reifenmodell können das Fahrverhalten deutlich verschlechtern. Spätestens dann, wenn die gesetzliche Mindestprofiltiefe erreicht ist, Risse sichtbar werden oder der Reifen eckig abgefahren ist, sollten Sie handeln. Auch ein gealterter Reifen mit ausreichendem Profil kann problematisch sein, weil die Gummimischung mit der Zeit aushärtet und an Grip verliert.
Wenn Sie den Reifenwechsel selbst durchführen möchten, sollten Sie wissen: Das ist grundsätzlich möglich, verlangt aber sauberes Arbeiten, passendes Werkzeug und technisches Verständnis. Besonders bei Motorrädern zählen präzise Montage, die richtige Laufrichtung, das korrekte Wuchten und der passende Luftdruck. Schon kleine Fehler können später große Auswirkungen auf Fahrstabilität, Bremsweg und Kurvenverhalten haben.
Was Sie vor dem Reifenwechsel prüfen sollten
Bevor Sie loslegen, sollten Sie zunächst kontrollieren, welche Reifengröße, Tragfähigkeit und Geschwindigkeitsfreigabe für Ihr Motorrad zulässig sind. Die passenden Angaben finden Sie in der Zulassungsbescheinigung, im Handbuch oder in den Herstellerfreigaben. Achten Sie außerdem darauf, ob Vorder- und Hinterrad unterschiedliche Dimensionen oder spezifische Reifenmodelle erfordern.
Ebenso wichtig ist ein Blick auf die Felgen und Ventile. Beschädigte Felgenhörner, korrodierte Flächen oder alte Gummiventile können die sichere Montage erschweren oder sogar unmöglich machen. Wenn Sie schon wechseln, sollten Sie Ventile oder Ventileinsätze möglichst direkt mit erneuern. Das erhöht die Betriebssicherheit und kostet nur wenig zusätzlich.
Bild © VitalikRadko/depositphotos.com
Welches Werkzeug Sie benötigen
Für einen Motorrad-Reifenwechsel benötigen Sie mehr als nur Muskelkraft. Sinnvoll sind
- Montageständer oder ein Hauptständer,
- ein passender Steck- und Drehmomentschlüsselsatz,
- Reifenmontierhebel,
- Felgenschoner,
- Reifenmontagepaste,
- ein Ventilausdreher,
- ein Luftkompressor oder kräftiger Luftfüller sowie
- ein Wuchtbock mit Klebe- oder Schlaggewichten.
Hilfreich ist außerdem ein Reifenabdrücker, um die Reifenwulst sauber von der Felge zu lösen.
Je nach Motorradmodell können zusätzlich Spezialwerkzeuge für Achsen, Bremssättel oder Ketteneinstellungen nötig sein. Arbeiten Sie niemals improvisiert mit ungeeignetem Hebelwerkzeug oder aggressiven Schmiermitteln. Damit beschädigen Sie schnell die Felge, den Reifen oder im schlimmsten Fall die Dichtfläche.
Motorrad sicher aufbocken und Rad ausbauen
Bevor Sie das Rad ausbauen, muss das Motorrad absolut stabil stehen. Ideal sind Montageständer für Vorder- und Hinterrad. Arbeiten Sie niemals an einem unsicher abgestellten Motorrad, denn schon ein kleiner Ruck kann zum Umkippen führen.
Beim Ausbau lösen Sie zunächst – je nach Achse und Fahrzeugtyp – Achsmutter, Klemmschrauben, Bremssattel oder gegebenenfalls Kettenspanner. Dokumentieren Sie sich am besten die Reihenfolge von Distanzhülsen, Unterlegscheiben und Achsteilen. Gerade beim ersten Mal hilft ein Foto mit dem Smartphone enorm. Ziehen Sie das Rad anschließend vorsichtig heraus und achten Sie darauf, Bremsscheiben, ABS-Ringe und Lager nicht zu beschädigen.
Luft ablassen und alten Reifen von der Felge lösen
Ist das Rad ausgebaut, lassen Sie zuerst die Luft vollständig ab. Danach entfernen Sie den Ventileinsatz, damit wirklich kein Restdruck mehr im Reifen bleibt. Erst dann beginnen Sie, die Reifenwulst vom Felgenhorn zu drücken. Dieser Schritt ist oft der anstrengendste Teil des gesamten Reifenwechsels.
Mit einem Reifenabdrücker oder einer geeigneten Vorrichtung lösen Sie die Wulst auf beiden Seiten der Felge. Arbeiten Sie gleichmäßig und mit Gefühl. Vermeiden Sie punktuelle Gewalt, denn sonst drohen Schäden an Felge oder Reifenbett. Sobald sich der Reifen rundum gelöst hat, können Sie mit den Montierhebeln den ersten Reifenwulst über das Felgenhorn heben. Felgenschoner helfen dabei, unschöne Kratzer zu vermeiden.
Alten Reifen vollständig demontieren
Nachdem eine Seite des Reifens über das Felgenhorn gehoben wurde, ziehen Sie die zweite Wulst nach. Wichtig ist dabei, den gegenüberliegenden Reifenbereich immer tief ins Felgenbett zu drücken. Nur so entsteht genug Spiel, um den Reifen ohne übermäßige Kraft von der Felge zu ziehen.
Genau hier passieren viele Fehler. Wer zu hektisch arbeitet oder den Reifen mit Gewalt über die Felge zwingt, riskiert Beschädigungen an Karkasse, Felge oder Reifendrucksensor. Arbeiten Sie daher in kleinen Schritten rund um die Felge. Geduld ist hier oft wichtiger als Kraft.
Neuen Reifen kontrollieren und richtig ausrichten
Bevor Sie den neuen Motorradreifen montieren, sollten Sie ihn genau prüfen. Stimmen Größe, Bauart und Traglast mit den Anforderungen Ihres Motorrads überein? Ist der Reifen unbeschädigt? Haben Sie die Laufrichtung kontrolliert? Auf der Reifenflanke finden Sie einen Pfeil, der die vorgeschriebene Drehrichtung angibt. Dieser Punkt ist entscheidend.
Legen Sie das Rad so vor sich, dass Sie eindeutig erkennen können, in welche Richtung es später am Motorrad läuft. Richten Sie den Reifen entsprechend aus. Kontrollieren Sie zusätzlich, ob eine Markierung für den leichtesten Punkt vorhanden ist. Diese wird häufig in der Nähe des Ventils positioniert, um den späteren Wuchtaufwand zu verringern.
Neuen Motorradreifen montieren
Tragen Sie etwas Montagepaste auf Reifenwulst und Felgenhorn auf. Verwenden Sie dafür ausschließlich geeignete Montagehilfe und keine Hausmittel wie Öl, Fett oder Spülmittel. Diese können Material und Sitz negativ beeinflussen.
Drücken Sie zunächst die erste Reifenwulst mit der Hand oder mit Hilfe der Montierhebel über die Felge. Danach folgt die zweite Seite. Auch hier gilt: Der gegenüberliegende Bereich muss immer tief im Felgenbett liegen. Arbeiten Sie sauber, gleichmäßig und mit möglichst wenig Hebelkraft. Sobald der Reifen vollständig auf der Felge sitzt, kontrollieren Sie noch einmal die Laufrichtung und den korrekten Sitz des Ventils.
Reifen aufpumpen und Wulst setzen
Nach der Montage setzen Sie zunächst den Ventileinsatz ein beziehungsweise prüfen dessen Sitz. Dann füllen Sie Luft in den Reifen, bis die Wülste hörbar und sichtbar sauber ins Felgenhorn springen. Dieser Vorgang erfordert Aufmerksamkeit. Halten Sie ausreichend Abstand und überschreiten Sie niemals unkontrolliert den zulässigen Druckbereich.
Kontrollieren Sie rundum die Kontrolllinie auf der Reifenflanke. Diese sollte überall gleichmäßig im Abstand zur Felge verlaufen. Ist das nicht der Fall, sitzt der Reifen nicht korrekt. In diesem Fall müssen Sie den Druck wieder ablassen, erneut Montagepaste verwenden und den Sitz korrigieren. Erst wenn der Reifen sauber sitzt, stellen Sie den endgültigen Luftdruck gemäß Herstellervorgabe ein.
Warum das Wuchten unverzichtbar ist
Ein neu montierter Motorradreifen muss gewuchtet werden. Andernfalls drohen Vibrationen, unruhiges Fahrverhalten und erhöhter Verschleiß an Reifen, Lagern und Fahrwerk. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten merken Sie Unwuchten deutlich.
Auf einem Wuchtbock lassen Sie das Rad frei auspendeln. Die schwerste Stelle wandert nach unten. Gegenüber bringen Sie schrittweise Klebe- oder Schlaggewichte an, bis das Rad in jeder Position stehen bleibt. Nehmen Sie sich für diesen Arbeitsschritt Zeit, denn ein sauber gewuchtetes Rad wirkt sich unmittelbar auf Komfort und Fahrsicherheit aus.
Rad wieder einbauen und korrekt befestigen
Beim Wiedereinbau reinigen Sie Achse, Abstandshalter und Aufnahmen und prüfen alles auf Beschädigungen. Setzen Sie das Rad in umgekehrter Reihenfolge wieder ein. Achten Sie darauf, dass Distanzhülsen, Bremssattel, ABS-Sensorik und Kettenspannung korrekt positioniert sind.
Besonders wichtig ist das richtige Anzugsdrehmoment. Ziehen Sie Achsmutter, Klemmschrauben und gegebenenfalls Bremssattel ausschließlich nach Herstellervorgabe mit einem Drehmomentschlüssel an. Pumpen Sie vor der ersten Fahrt außerdem den Bremshebel beziehungsweise das Bremspedal, damit die Bremsbeläge wieder korrekt anliegen. Dieser Schritt wird erschreckend oft vergessen.
Die ersten Kilometer nach dem Reifenwechsel
Neue Motorradreifen müssen eingefahren werden. Die Oberfläche ist anfangs noch glatt, außerdem müssen sich Reifen und Fahrverhalten erst aufeinander einspielen. Fahren Sie deshalb die ersten Kilometer besonders vorsichtig, vermeiden Sie harte Bremsungen und extreme Schräglagen und tasten Sie sich schrittweise an das normale Grip-Niveau heran.
Wie lange die Einfahrphase dauert, hängt vom Reifen und von Ihrer Fahrweise ab. Ein defensiver Start ist aber immer sinnvoll. Kontrollieren Sie nach den ersten Fahrten noch einmal Luftdruck, Gewichte und den allgemeinen Sitz des Reifens.
Wann Sie den Reifenwechsel besser einer Werkstatt überlassen sollten
So reizvoll die Eigenmontage auch ist: Nicht in jedem Fall ist sie die beste Lösung. Wenn Ihnen das passende Werkzeug fehlt, Sie keine Erfahrung mit Reifenmontage haben oder Unsicherheit beim Wuchten und beim korrekten Sitz besteht, ist der Weg zur Fachwerkstatt oft die bessere Entscheidung. Das gilt besonders bei empfindlichen Felgen, Reifendruckkontrollsystemen oder sehr straffen Sportreifen.
Auch sicherheitsrelevante Zweifel sind ein klares Warnsignal. Sobald Sie unsicher sind, ob der Reifen richtig montiert, korrekt gewuchtet oder fachgerecht eingebaut ist, sollten Sie nicht experimentieren. Beim Motorrad hängen Stabilität, Kurvenverhalten und Bremsleistung unmittelbar davon ab.
Selbst wechseln nur mit Sorgfalt und Know-how
Ein Motorrad-Reifenwechsel in Eigenregie ist machbar, wenn Sie sauber arbeiten, das richtige Werkzeug besitzen und die technischen Anforderungen Ihres Motorrads kennen. Entscheidend sind nicht nur Aus- und Einbau, sondern vor allem die korrekte Montage auf der Felge, das saubere Setzen der Wulst, das exakte Wuchten und die sichere Befestigung des Rades.
Wer sorgfältig vorgeht, kann den Wechsel selbst durchführen und dabei sein Motorrad noch besser kennenlernen. Sicherheit hat dabei jedoch immer Vorrang. Sobald Zweifel bestehen, sollten Sie lieber auf professionelle Hilfe setzen.
Ihre häufig gestellten Fragen:
Wie oft sollte man Motorradreifen wechseln?
Motorradreifen sollten je nach Fahrstil, Modell und Material nach etwa 5.000 bis 15.000 Kilometern oder spätestens, wenn das Profil abgefahren ist, gewechselt werden.
Wie viel km halten Motorradreifen?
Die Haltbarkeit von Motorradreifen beträgt je nach Fahrweise, Reifentyp und Straßenbedingungen etwa 5.000 bis 15.000 Kilometer.
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