E-Bike-Tuning
Das Tuning von E-Bikes oder korrekterweise von Pedelecs (im Artikel umgangssprachlich E-Bike genannt) ist ein kontroverses Thema, das gleichermaßen Begeisterung und Bedenken auslöst. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Methoden es gibt, Ihr E-Bike zu tunen und welche Vor- und Nachteile dies mit sich bringt.
Inhaltsverzeichnis
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Vorteile
Das Tuning bietet verlockende Vorteile:
- Höhere Geschwindigkeit: Die Hauptmotivation vieler Nutzer ist es, ihr E-Bike schneller zu machen und so auch längere Strecken effizienter zurückzulegen.
- Spaßfaktor: Für viele Fahrer sorgt die gesteigerte Leistung für ein aufregenderes Fahrerlebnis.
Nachteile
Neben den Vorteilen gibt es auch gravierende Nachteile, die bedacht werden sollten:
- Sicherheitsrisiken: Ein getuntes E-Bike kann schwerer zu kontrollieren sein, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten. Die Reifen, Bremsen und andere Komponenten sind oft nicht für die zusätzliche Belastung ausgelegt.
- Geringere Akku-Reichweite: Mehr Geschwindigkeit erfordert auch mehr Energie. Dadurch muss der Akku deutlich häufiger aufgeladen werden.
- Erhöhter Verschleiß: Durch die höhere Leistung verschleißen Motor, Akku und andere Teile schneller. Auch sind spezielle Reifen nötig.
- Rechtliche Konsequenzen: Das E-Bike zu entdrosseln ist illegal und kann zu hohen Strafen und dem Verlust des Versicherungsschutzes führen.
Tuning-Methoden
Das E-Bike-Tuning erfolgt hauptsächlich über diese beiden Methoden:
- Tuning mit Dongles: Ein Dongle ist ein kleines Gerät, das zwischen den Sensoren und der Steuerung des E-Bikes installiert wird. Er manipuliert die Daten, die der Motor von den Sensoren erhält, sodass das E-Bike davon ausgeht, dass es langsamer fahre, als es tatsächlich der Fall ist. Genauer: Ab einem Wert von 20 km/h wird die Geschwindigkeit im Messinstrument des E-Bikes halbiert, gedrittelt o. ä. Auf diese Weise kann die Geschwindigkeitsbegrenzung von 25 km/h umgangen werden und es werden bis zu 50 km/h möglich. Die Vorteile: Dongles sind günstig, relativ einfach zu installieren und können oft ohne besondere technische Kenntnisse angebracht werden: Es muss nur der Geschwindigkeitssensor entfernt und mit dem Dongle verbunden werden. Vorab müssen lediglich der Kettenschutz, die Zahnradhalterung und das Schutzblech entfernt werden. Die Nachteile: Der Dongle ist von außen sichtbar. Außerdem sehen Sie während der Fahrt nicht Ihre wahre Geschwindigkeit und auch die gefahrenen Kilometer werden nicht mehr korrekt getrackt.
- Tuning mit Chips: Beim Chiptuning wird ein spezieller Chip in das System des E-Bikes integriert. Dieser Chip ändert die Software des Motors und hebt die Geschwindigkeitsbegrenzung dauerhaft auf. Die Vorteile: Das Tuning ist von außen nicht zu erkennen. Außerdem wird Ihnen die Fahrgeschwindigkeit korrekt angezeigt und die Kilometer weiterhin exakt getrackt. Die Nachteile: Das Chiptuning erfordert häufig Fachwissen oder professionelle Unterstützung, da es in die Elektronik des Rads eingreift. Außerdem sind die Chips schwer zu entfernen. Und selbst nach dem Rückbau ist es manchmal noch möglich, das Tuning nachzuweisen, da an bestimmten Bauteilen ein entsprechender Verschleiß zu sehen ist.
Selber tunen oder professionell machen lassen?
Da Dongles Plug-and-Play-Geräte sind, die Sie ohne große technische Kenntnisse selbst am E-Bike installieren können, benötigen Sie hier keine Fachleute. Das Tuning per Chip dagegen ist eine anspruchsvollere Methode, die Sie besser in einer Fachwerkstatt durchführen lassen.
Die Kosten
Die Kosten fürs Pedelec-Tuning variieren je nach Methode und Anbieter. Einfache Dongles sind ab etwa 50 Euro erhältlich, während das professionelle Chiptuning bei Fachleuten mehrere hundert Euro kosten kann.
Rechtliche Aspekte beim Tuning
Modifikationen an Ihrem Pedelec können in der Schweiz dazu führen, dass dieses rechtlich nicht mehr als gewöhnliches E-Bike gilt, sondern als schnelles E-Bike bzw. Motorfahrrad eingestuft werden. Der Wechsel in eine andere Fahrzeugklasse bringt rechtliche Änderungen mit sich, die für die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr beachtet werden müssen. Dazu gehören:
- Ein Kontrollschild kann erforderlich sein.
- Ein Fahrzeugausweis kann erforderlich sein.
- Je nach Einstufung wird ein Führerausweis der Kategorie M benötigt.
- Für schnelle E-Bikes gilt Helmpflicht.
- Es gelten nicht mehr uneingeschränkt die Regeln für ein gewöhnliches E-Bike.
- Je nach Fahrzeugklasse sind die dafür geltenden Verkehrsregeln, insbesondere die Promillegrenze, einzuhalten.
Wenn Sie ein getuntes E-Bike im öffentlichen Straßenverkehr nutzen, drohen in der Schweiz rechtliche Folgen. Je nach Einzelfall kann das Fahrzeug nicht mehr als gewöhnliches E-Bike gelten, sodass Verstöße etwa wegen fehlendem Kontrollschild, fehlendem Fahrzeugausweis oder fehlender passender Fahrerlaubnis möglich sind.
Besonders problematisch ist, dass bei einem manipulierten Fahrzeug auch der Versicherungsschutz entfallen oder nicht passen kann. Für schnelle E-Bikes ist das Kontrollschild zugleich mit dem Nachweis der Haftpflichtversicherung verknüpft. Wird ein gewöhnliches E-Bike nachträglich manipuliert, kann der vorhandene Schutz nicht mehr zur tatsächlichen Fahrzeugkategorie passen.
Kann man E-Bike-Tuning nachweisen?
Ja, Tuning per Chip kann nachgewiesen werden. Besteht hinreichender Verdacht, kann die Polizei Ihr E-Bike begutachten lassen. Ein Experte kann Manipulationen an der Software erkennen. Im Video sehen Sie, wie die deutsche Polizei getunte E-Bikes kontrolliert:
Legal die Leistung erhöhen
Wer mit seinem Pedelecs ein wenig schneller unterwegs sein möchte, kann dies durch das Beachten des idealen Reifendrucks erreichen. Auch richtig eingestellte Bremsen können unnötige Reibung vermeiden und dadurch die Geschwindigkeit erhöhen. Eine gut gepflegte Kette, eine richtig funktionierende Schaltung und einwandfreie Bremsen können die Leistung verbessern. Bei Pedelecs mit Mittelmotor lässt sich die Leistung außerdem steigern, indem die Übersetzungsverhältnisse zwischen Antrieb und Reifen angepasst werden. Bei Nabenmotoren ist das nicht möglich, da diese direkt mit der Radumdrehung verbunden sind.
Achtung: Getunte E-Bikes brauchen spezielle Reifen!
Ein getuntes Pedelec erreicht deutlich höhere Geschwindigkeiten, als vom Hersteller vorgesehen. Dies bedeutet, dass die standardmäßig verbauten Reifen den höheren Belastungen und Geschwindigkeiten oft nicht standhalten können. Spezielle Reifen für getunte Bikes bieten
- verstärkte Seitenwände,
- verbesserten Grip und
- eine höhere Tragfähigkeit.
Sie gewährleisten dadurch nicht nur ein geringeres Unfallrisiko, sondern auch eine längere Lebensdauer bei höheren Geschwindigkeiten. Bei reifen.com erhalten Sie Ihre neuen Fahrradreifen für Geschwindigkeiten bis 45 km/h günstig und schnell.
Ihre häufig gestellten Fragen:
Kann man mit einem E-Bike schneller als 25 km/h fahren?
Ja, entweder durch Tuning-Maßnahmen oder durch eigenes Treten kann die Geschwindigkeit über 25 km/h hinaus erhöht werden. Letzteres ist jedoch nur durch die eigene Muskelkraft möglich, da der Motor von nicht getunten E-Bikes ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h nicht mehr unterstützt.
Kann ein E-Bike 60 km/h fahren?
Mit Tuning ist dies möglich, jedoch nicht legal und potenziell gefährlich. Ohne die nötigen Anpassungen an Bremsen und Reifen kann dies die Sicherheit erheblich gefährden.
Wie kann man ein E-Bike schneller machen?
Dies ist durch Dongles oder Chiptuning möglich. Beide Methoden setzen jedoch Eingriffe in die Elektronik oder Mechanik des Bikes voraus.
Kann man E-Bike entdrosseln?
Ja, durch das Entfernen der Drosselung können Sie die Leistung steigern. Allerdings erlischt dadurch die Straßenzulassung und es drohen rechtliche Konsequenzen.
Ist E-Bike-Tuning erlaubt?
Nur, wenn Sie mit dem E-Bike nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen. Dann verstoßen Sie nämlich gegen geltende Vorschriften.
Kann man E-Bike-Tuning nachweisen?
Ja, durch Software-Checks oder mechanische Inspektionen können Fachleute Manipulationen in den Systemdaten des E-Bikes erkennen.
Wie kontrolliert die Polizei E-Bikes?
Zunächst durch Sichtkontrollen und - bei Verdacht - auch durch technische Prüfungen. Dabei werden sowohl mechanische als auch elektronische Manipulationen überprüft.
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