Schmale oder breite Winterreifen?
Welche Reifenbreite bietet im Winter die bessere Kombination aus Sicherheit, Fahrverhalten und Kosten?
Auf Schnee und Schneematsch sind schmalere Winterreifen in der Regel die sicherere Wahl. Sie sind zudem meist günstiger als breite Dimensionen. Gerade auf verschneiten Straßen und bei Schneematsch sprechen mehrere Eigenschaften für eine schmalere Reifendimension.
Ein schmaler Reifen muss über seine Lauffläche weniger Schnee verdrängen. Dadurch kann er sich bei entsprechenden Straßenverhältnissen leichter einen Weg durch die lose Schicht zur tragfähigeren Fahrbahnoberfläche bahnen. Besonders beim Anfahren sowie bei der Seitenführung in Kurven kann sich das positiv bemerkbar machen. Breite Reifen können deshalb früher auf der Mischung aus Wasser und Schnee aufschwimmen. Bei schmaleren Reifen fällt dieses sogenannte Schneematsch- oder Slushplaning-Risiko tendenziell geringer aus.
Mithilfe von KI generiert
Der ADAC hat getestet
Eine Auswertung des ADAC zu verschiedenen Reifendimensionen bestätigt diese Vorteile. Untersucht wurden unter anderem die Größen 195/65 R15, 205/55 R16 sowie 225 Millimeter breite Varianten. Das Ergebnis: Auf Schnee und Schneematsch fuhr die schmalste getestete Dimension 195/65 R15 laut ADAC deutlich sicherer als ihre breiteren Pendants. Besonders beim Anfahren auf Schnee und bei der Seitenführung in Kurven schnitt sie besser ab. Gleichzeitig war die Gefahr des Aufschwimmens auf Schneematsch geringer. Damit zeigt der Test auch, weshalb die Reifenbreite nicht allein eine Frage der Optik ist. Fahren Sie regelmäßig auf verschneiten Nebenstraßen, in Regionen mit häufigem Schneefall oder auf Straßen, auf denen sich Schneematsch sammelt, kann eine schmalere, (für Ihr Fahrzeug freigegebene) Dimension einen Sicherheitsvorteil bieten.
Ein weiteres Plus: Der Preis
Zwischen der schmalsten und der extrabreiten untersuchten Variante lagen im genannten Beispiel rund 85 Euro Kaufpreis pro Reifen. Der tatsächliche Preisunterschied hängt selbstverständlich von Reifengröße, Hersteller, Modell und Verfügbarkeit ab.
Der schmalste Winterreifen ist nicht automatisch der beste
Dass die pauschale Aussage „Je schmaler, desto besser“ zu kurz greift zeigt ein gemeinsamer Vergleichstest der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) und des Auto Club Europa (ACE). Sie testeten auf einem BMW der 3er-Reihe drei unterschiedliche Reifendimensionen mit gleichem Reifenprofil:
- 205/55 R16 auf 16-Zoll-Rädern
- 225/50 R17 auf 17-Zoll-Rädern
- 225/45 R18 vorn und 255/40 R18 hinten als besonders breite Mischbereifung
Die Reifen wurden unter anderem auf Schnee, Nässe und trockener Fahrbahn geprüft. Das Ergebnis: Die besonders breite Mischbereifung mit 255 Millimeter breiten Hinterreifen entwickelte auf der Schneepiste eine überraschend gute Traktion beim Beschleunigen. Auf einer tragfähigen, festgefahrenen Schneedecke kann eine größere Kontaktfläche somit von Vorteil sein.
Besonders deutlich werden die Stärken breiterer Reifen aber auf trockener Straße. Durch die meist niedrigere Reifenflanke fällt die Konstruktion steifer aus. Lenkbewegungen werden direkter übertragen, und bei Brems- und Kurvenmanövern kann die größere Lauffläche Vorteile bieten.
Der GTÜ/ACE-Vergleich verdeutlicht auch den Unterschied beim Bremsen: Mit den schmalen 16-Zoll-Winterreifen benötigte das Testfahrzeug aus 100 km/h auf trockener Fahrbahn rund 47 Meter bis zum Stillstand. Bereits die breitere 17-Zoll-Variante verkürzte diesen Bremsweg um mehr als einen Meter.
Diese Vorteile bedeuten allerdings nicht, dass der breiteste Reifen auch das beste Gesamtfahrverhalten auf Schnee bietet. Im GTÜ/ACE-Test zeigte die extrabreite Mischbereifung ein weniger harmonisches und bei deaktivierter Fahrdynamikregelung weniger eindeutig berechenbares Fahrverhalten. GTÜ und ACE bewerteten deshalb die mittlere Reifendimension als ausgewogeneren Kompromiss.
Breite Winterreifen können bei Schneeketten zum Problem werden
Schneeketten benötigen ausreichend Platz zwischen Reifen, Radhaus und Fahrwerkskomponenten. Bei breiten Reifen beziehungsweise großen Felgen mit entsprechend geringer Freigängigkeit kann dieser Platz fehlen. Wenn Sie überlegen, Breitreifen anzuschaffen, sollten Sie unbedingt vorher prüfen, ob für die jeweilige Rad-Reifen-Kombination überhaupt Schneeketten verwendet werden dürfen. Entscheidend sind immer die vom Fahrzeughersteller freigegebenen Rad-Reifen-Kombinationen und die jeweiligen Vorgaben zur Verwendung von Schneeketten.
Schmale oder breite Winterreifen - welche Variante passt zu Ihnen?
Bild © serrnovik/depositphotos
Eine universell beste Reifenbreite gibt es nicht. Entscheidend sind Ihr Fahrzeug, die dafür freigegebenen Dimensionen und vor allem Ihr persönliches Fahrprofil.
Schmale Winterreifen sind besonders sinnvoll, wenn Sie …
- häufig auf verschneiten Straßen oder bei Schneematsch unterwegs sind,
- in einer Region mit regelmäßigem Schneefall wohnen,
- Wert auf ein gut kontrollierbares Fahrverhalten bei schwierigen winterlichen Bedingungen legen,
- das Risiko von Aufschwimmen auf Schneematsch möglichst geringhalten möchten,
- regelmäßig Schneeketten verwenden möchten oder müssen,
- beim Reifenkauf auf die Kosten achten und eine günstigere zugelassene Dimension wählen können.
Breitere Winterreifen können sinnvoll sein, wenn Sie …
- im Winter überwiegend auf geräumten, trockenen Straßen fahren,
- häufig eine feste beziehungsweise festgefahrene Schneedecke statt Tiefschnee und Schneematsch vorfinden,
- Wert auf ein direktes Lenkverhalten und hohe Fahrstabilität auf trockener Straße legen,
- ein leistungsstärkeres oder sportlich abgestimmtes Fahrzeug fahren,
- auf Schneeketten in der Regel verzichten können und die gewünschte Dimension für Ihr Fahrzeug freigegeben ist.
Wer eine möglichst ausgewogene Lösung sucht, sollte nicht automatisch zur schmalsten oder breitesten verfügbaren Dimension greifen. Gerade der Test von GTÜ und ACE zeigt, dass eine mittlere Reifenbreite einen sehr guten Kompromiss zwischen Traktion, Fahrverhalten auf Schnee, Nässeeigenschaften und Trockenperformance darstellen kann.
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